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Karl Schmidt-Rottluff

"Mohn (Poppy)", ca. 1923

Watercolour and pencil on paper

51 x 35,7 cm  ″

Signed bottom left "SRottluff"
Documented in the archive of Karl
und Emy Schmidt-Rottluff-Stiftung

N 9159


About the work

Als Mitbegründer der 1905 in Dresden ins Leben gerufenen Künstlergruppe "Brücke" gehört Karl Schmidt–Rottluff zu den Hauptvertretern des deutschen Expressionismus. Nach Auflösung der avantgardistischen Künstlergemeinschaft 1913 und seinem Militärdienst im Ersten Weltkrieg hatte der Maler seinen farbexpressiven Stil konsequent weiterentwickelt und gelangte am Beginn der 1920er Jahre zu einer individuellen, flächenreduzierten Auffassung des Gesehenen. Hierbei bot vor allem das Medium des Aquarells ideale Ausdrucksmöglichkeiten, um das Dargestellte mit gesteigerter Intensität der leuchtenden und transparenten Farbakkorde auf das Papier zu bannen. In der Bildgattung des Blumenstilllebens fand Schmidt–Rottluff ein häufig favorisiertes und geeignetes Sujet zur Visualisierung seiner gestalterischen Intentionen.
Im vorliegenden, um 1923 geschaffenen Aquarell "Mohn" schildert Karl Schmidt–Rottluff im knappen Bildausschnitt den Blick auf das formatfüllende Motiv eines Blumenstraußes mit großen Mohnblüten in einer zylindrischen Vase. Vor dem dunkleren, bräunlichen Hintergrund zeichnen sich die weißen, roten und violetten Blüten, die in den Raum ausgreifenden grünen Blätter sowie die hellblaue, hellgrüne und orangefarbene Ornamentik der Vase wirkungsvoll ab. Ein dynamisch bewegter, schwungvoller Pinselduktus, mannigfache Verläufe und subtile Überlagerungen der Farbzonen mit offenem Blattweiß und eine kraftvolle, auf das Flächige abzielende Formensprache prägen den Ausdrucksgehalt des reizvollen Sujets. Starke Kontraste entfalten sich insbesondere zwischen der freien, organischen Dynamik der Blumen und der strengen, tektonischen Verfestigung im geometrischen Dekor der Vase. In charakteristischer Manier äußern sich in diesem Stillleben die wuchtig–kompakte Verdichtung der Form und die damit verbundene Monumentalisierung des Bildgegenstandes, wie sie für Schmidt–Rottluffs Gemälde und Aquarelle in der ersten Hälfte der 1920er Jahre typisch sind. Die Volumina des Motivs und die räumliche Ausdehnung der Umgebung sind auf einer Bildebene zusammengezogen und drängen in den Vordergrund. Ein rhytmisch schwingendes Gefüge von hellen und dunklen Farbkontrasten mit intensiv leuchtendem Kolorit prägt die lebhafte Wirkung des Blattes. Deutlich offenbaren sich die abstrahierenden Tendenzen in Schmidt–Rottluffs Schaffen dieser Zeit und zugleich seine konzentrierte Auseinandersetzung mit der sichtbaren Wirklichkeit der Dinge. Auf eindrucksvolle Weise gelang Schmidt–Rottluff mit dem Aquarell "Mohn" eine spätexpressionistische Neuinterpretation der traditionsreichen Ikonographie des Blumenstückes.
Das Werk kann auf eine prominente Provenienz zurückblicken: Es stammt aus der renommierten Sammlung von Alfred und Thekla Hess in Erfurt. Der erfolgreiche Schuhfabrikant und engagierte Mäzen Alfred Hess gehörte in den Jahren der Weimarer Republik zu den wichtigsten Sammlern und Förderern junger, vorwiegend expressionistischer Kunst in Deutschland. In seiner Villa in Erfurt führte er seit 1919 ein offenes Haus. Zu seinen Gästen – darunter Erich Heckel, Emil Nolde, Max Pechstein, Lyonel Feininger, Otto Dix und viele andere – zählte in den 1920er Jahren auch mehrfach Karl Schmidt–Rottluff.
(Andreas Gabelmann)


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