Knieende(r)

Ernst Barlach

"Knieende(r)", 1907/1908

Bronze

29,6 x 24,5 x 27,5 cm

auf der linken Seite hinten signiert "E Barlach"
Gießerstempel "H. NOACK BERLIN"
Auflage: 12 nicht nummerierte Exemplare, kein Lebzeitenguss, Guss, 1970er Jahre
Expertise Ernst Barlach Lizenzverwaltung, Ratzeburg
WVZ: Elisabeth Laur, Ernst Barlach, Das plastische Werk (Band II), Ernst Barlach Stiftung Güstrow, 2006,
WVZ-Nr. 125 mit Abb. S. 108.

N9165


Über das Werk

Wir blicken auf eine Figur, die sich in einer exaltierten seelischen Verfassung befindet. Sie ist sichtlich eingeschlossen in einen inneren Dialog über etwas Ungesagtes, noch nicht Entschiedenes; überlegend, stumm um Antwort ringend, daher in sich geblockt und festgesetzt. In ihrer zu Tage tretenden Erdenschwere klingen Barlachs Erlebnisse der nicht weit zurückliegenden Russlandreise zum Bruder Hans (im Jahr 1906) nach. Die dieser Figur ganz offensichtlich innewohnende Spannung speist sich aus zwei Quellen. Wir werden Zeuge eines eklatanten Widerspiels zwischen einer starken Körperanspannung und wellenartig ablaufender, weicher Fältelungen, die in ihrer pointiert zur Geltung kommenden Entspanntheit die heftige innere Gemütsregung der knieenden Person indirekt bzw. kontrastmäßig verstärken.
Textile Strukturen werden bewusst - und in überzeugender Weise - als glaubhaftmachendes Element innerhalb des gedanklichen Ringens eingesetzt. Fehlten sie, bliebe lediglich die starke optische Präsenz einer Art Schockstarre, eine in dieser nicht sehr spannenden Eindimensionalität verharrende Figur übrig. So aber sehen wir uns einem erwachsenen Menschen mit großer Körperfülle gegenüber, der trotz der äußerlichen Unbeweglichkeit von großer innerer Regung durchdrungen, innerlich aufgewühlt ist. Durch die heftige Gestik, vor allem die der Hände, wird die Vielschichtigkeit seiner offenbar disparaten Gefühlslage manifest.
Der im Werkverzeichnis der Barlach’schen Plastiken ausgewiesene Nebentitel "Der Beter" erweitert die interpretatorische Spur zu einem gangbaren Weg: Es handelt sich bei der Darstellung dieser auf dem Boden knieenden Figur um die glaubhafte Visualiserung eines nachspürbar anstrengenden (religiösen) Ringens, eine Art isometrischer Exerzitie: die starr vor sich hin gehaltenen, zur Faust geballten Hände bilden mit dem weit zurückgelegten Oberkörper und Kopf eine starke Körperspannung ohne äußere Hilfsmittel, nur aus sich selbst heraus, sie bilden die Frage, auf die die Gewandfältelungen "antworten"; eine Lösung steht zur Zeit aber noch aus. Barlach formuliert das Gezeigte sprachlich gleichsam zusammenfassend: "Meine Figuren befinden sich auf einem sehnsüchtigen Mittelstück zwischen einem 'Woher' und einem 'Wohin'."
(aus dem Katalogtext von Horst Müller)


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