Heinrich Siepmann

"C 18/2000", 2000

Collage auf Karton

70 x 50 cm  ″

unten links bezeichnet "18"
unten rechts monogrammiert, datiert "S 2000"

N 9325


Über das Werk

Obgleich der Mülheimer in seinem Werk dem Konstruktivismus verbunden ist, ist ihm doch auch das lyrische Moment informeller Malerei eigen. Ebenso wie Siepmanns Bilder gleichermaßen in der Konstruktion und der Abstraktion beheimatet sind, wurde seine Kunst auch bereits als "informeller Konstruktivismus" bezeichnet.
Dieses Spannungsfeld zeigt sich in dem vorliegenden Werk "C 18/2000" besonders deutlich. Hier erscheinen die Rechteckformen in einem stark malerischen Gestus, mit zum Teil sehr ungenauen Kanten. Verschiedene Bleistiftlinien wirken wie Konstruktionshilfslinien, und auch die Überlappungen könnten zufällig entstanden sein. Gerade aber durch diese abstrakt-lyrischen Aspekte offenbart sich dieses Werk als komplexe Komposition, die dem Betrachter äußerst harmonisch und doch spannungsvoll entgegen tritt.
Deutlich zeigt sich diese Verbindung zwischen konkreter Konstruktion und abstrakter Malerei auch in der Werkentwicklung. Nach seiner Kriegsteilnahme und Gefangenschaft ist Heinrich Siepmann 1948 neben Emil Schumacher, Gustav Deppe, Thomas Grochowiak und anderen  Mitbegründer der Künstlergruppe »Junger Westen«. Hier findet er nach seinen vornehmlich gegenständlichen Arbeiten intensiver zur abstrakten Malerei. Das Werkspektrum der 1950er-Jahre umfasst beispielsweise Kompositionen, in denen Siepmann in Linienführung und Formgebung das Werk des Russen Wassily Kandinskys rezipiert. Zeitweise wandte sich Siepmann auch tachistischen Strömungen zu.
Bis zu seinem Tod im Jahr 2002 bleibt die Collage, die er mit dem systematisierenden Buchstaben "C" und dem jeweiligem Entstehungsjahr betitelt, ein bevorzugtes Medium seiner Form- und Farbkompositionen. Die Schichtung und Konfrontation unterschiedlicher Materialien, textiler Strukturen oder Wellpappe erlauben die verschiedensten Form- und Farbüberlagerungen in konstruktiver wie abstrakter Form, die Siepmanns Werk so einmalig und faszinierend machen.
(Andrea Fink)


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