Verblühende Tulpen
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Hermann Max Pechstein

"Verblühende Tulpen", 1949

Aquarell und Tusche auf Papier

44 x 51 cm / gerahmt 73 x 78 cm

signiert, datiert
Expertise Alexander Pechstein vom 02. 03. 2017

- mit handgearbeitetem Modellrahmen und spiegelfreiem,
UV Strahlen absorbierendem Glas -

N9258


Über das Werk

Nach den schwierigen Jahren der Diffa­mierung und Unterdrückung als "entarteter" Künstler durch die Nationalsozialisten, verbunden mit dem Ausschluss aus der Preußischen Akademie der Künste sowie Mal- und Ausstellungsverbot, nach russischer Gefangenschaft und der kriegsbedingten Zerstörung seines Berliner Ateliers, suchte Max Pechstein ab 1945 den künstlerischen Wiederbeginn. Hierbei besann er sich auf die einst so geliebte Natur der Ostseeküste. Nachdem seine früheren Malorte Nidden und Leba durch die neuen Grenzen nicht mehr erreichbar waren, fuhr er 1949 erstmals wieder an die Ostsee und verbrachte den Sommer in Ückeritz auf der Insel Usedom.
Zur künstlerischen Produktion dieser Zeit gehörten neben Landschaften vor allem auch Blumenbilder. Stilistisch knüpfte Pechstein dabei an seine Bildsprache und die formalästhetischen Errungen­schaften der Vorkriegsjahre an. Exem­plarisch äußert sich dies im vorliegenden, mit Aquarellfarben und Tusche ausge­führten Blumenstilleben "Aufgeblühte Tulpen" von 1949. Helle, strahlkräftige Farbklänge und eine energische, konturbetonte Formgebung prägen den lebhaften Ausdruck der Darstellung. Unter Verzicht auf jegliche Angaben zum Umraum ist die bauchige blaue Vase mit den daraus ragenden Stengeln der Tulpen in starker Aufsicht formatfüllend vor neutralem Grund in Szene gesetzt.
Die besondere Perspektive lässt die weit geöffneten, rot-gelben Blüten geradezu aus der Tiefe des Bildraumes auf den Be­trachter zu wachsen und sich seinem Blick gleichsam entgegen recken - der stille Gegenstand wird gewissermaßen zum aktiven Organismus erweckt. Charakteristisch für das Schaffen der Nachkriegsjahre eines der expressionistischen Künstlergeneration zugehörigen Malers artikuliert sich mit der Hinwendung zu diesem Motiv Pechsteins beharrliches Fest­halten am Gegenständlichen und sein Ver­trauen auf die formbildende Eigenkraft der sichtbaren Wirklichkeit. Nicht zuletzt sprechen aus der Darstellung der voll erblühten, schon im Übergangsstadium zum Verblühen befind­lichen Tulpen auch symbolträchtige Momente: So darf das Blumenstück, das dem Spätwerk des 1955 verstorbenen Malers zuzurechnen ist, als Sinnbild für die eigene Lebenssituation ­zwischen ungebrochener Vitalität, expressiver Schaffensfreude und nahender Vergänglichkeit gelesen werden.
(Andreas Gabelmann)

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